Uhrmacher Werkstatt

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Die Reparatur der Uhr - früher und heute Von H. Jendritzki

Uhrmacherwerkstatt, Uhrmacher Werkstatt

Es ist eine immer beobachtete Tatsache, daß bei einer stufenweisen, langsamen Entwicklung zu leichtder Ausgangspunkt vergessen wird. Der tatsächliche Fortschritt ist dann schwer zu erkennen. Das ist, wieüberall in der Technik, auch bei uns in der Uhrmacherwerkstatt der Fall. Der jüngeren Generation fehltnaturgemäß die eigene Beziehung zu diesem Ausgangspunkt, und sie ist in dieser Hinsicht auf dieÜberlieferung angewiesen. Es ist daher sicher nützlich, einmal die Arbeitstechnik in derUhrmacherwerkstatt von früher und jetzt zu vergleichen. Wobei wir nicht in die graue Vorzeitzurückgehen wollen; es genügt uns schon der Zeitraum unmittelbar vor dem Einsatz der letzten,modernen Hilfsmittel.Mit dem Wortbegriff "Hilfsmittel" ist schon zum Ausdruck gebracht, daß der Kopf des Arbeiters beiuns niemals ausgeschaltet werden und von einer "Automation" in der Uhrmacherwerkstatt niemals dieRede sein kann. Alle Hilfsmittel und Maschinen werden uns nur das sein, was wir aus ihnen machen.Allerdings könnte eine Rationalisierung größten Stils die manuelle Technik des Uhrmachers nicht nurgründlich umgestalten, sondern sogar weitgehend überflüssig machen, wenn wir - früher oder später - unsdazu entschließen könnten oder gar müßten, unsere Aufgabe als Handwerker anders zu sehen als bisher.Glücklicherweise ist die Reparatur der Kleinuhr ganz im Gegensatz zur Großuhr wesentlicherleichtert worden. Während die Großuhr in ihrer Konstruktion oft "uhrmacherfeindlich" geworden istund erst in den letzten Jahren Konstruktionsverbesserungen im Hinblick auf die Reparatur angebrachtwerden, hat die moderne Kleinuhr uns nur Freude gebracht, sofern sie als Ankeruhr mindestensDurchschnittsqualität aufweist.Wenn man es recht bedenkt, so hat sie diese Vorteile eigentlich in der Hauptsache dem Umstand zudanken, daß die bewährten Konstruktionsvorbilder beibehalten wurden, die dem Uhrmacher alter Zeitzuzuschreiben sind. Die moderne Industrie hat dazu ihre Stärke eingesetzt, indem sowohl derAustauschbau als auch eine allgemeine Qualitätssteigerung durch Konstruktionsverfeinerung undgenauere Fertigung die Fehlerquellen außerordentlich vermindert haben, die unseren Reparateurenfrüherer Uhren das Leben sauer machten.Nicht vergessen werden darf freilich, daß die selbstkompensierende Spiralfeder eine zusätzlicheQualitätsverbesserung darstellt, die unabhängig von der Leistung der Industrie die bessere Uhr billigerund die billige Uhr besser gemacht hat, weil nunmehr der Temperaturfehler einer Uhr auf einfachere Artals früher durch die Bimetall-Kompensations-Unruh ausgeschaltet werden kann. Ein Faktor, der übrigensja auch die Anwendung des Unruh-Gangreglers bei Großuhren begünstigt hat.Wenn wir nunmehr versuchen, den Verlauf einer Kleinuhr-Reparatur früher und jetzt zu vergleichen,so wird doch schnell klar, daß - wie schon erwähnt - der Uhrmacher nicht auszuschalten ist. Und daß sehrwahrscheinlich selbst bei äußerster Rationalisierung der Uhrmacher doch immer noch Uhrmacher seinmuß, insofern er nämlich die Funktionen in einer Uhr weiterhin gründlich beherrschen muß.Früher mußte beim Zerlegen einer Uhr genauestens jede Funktion der Teile einzeln und paarweisegeprüft werden, da die kleinen Serien der damaligen "Fabrikationsmethoden" individuelle Handarbeitdarstellten und keine große Genauigkeit aufwiesen, so daß die Toleranzen eben oft so groß waren, daß sienicht mehr toleriert werden konnten.Heute garantieren die modernen Uhrenfabriken die Tausendstel-Millimeter-Genauigkeit mit demErfolg, daß Eingriffsfehler so gut wie gar nicht mehr anzutreffen sind und wir eine Uhr fast blindlingszerlegen können, wenigstens soweit es diesen Punkt betrifft, der uns natürlich bei der Reparatur einengroßen Zeitvorsprung verschafft.Früher sowohl als auch heute müssen die Zapfen nachpoliert werden, wenn sie angegriffen sind.Wenngleich der "Pivofix" eine Verbesserung dieser Arbeit gegenüber dem traditionellen Werkzeug mit1
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der ebenso traditionellen Bezeichnung "Rollierstuhl" darstellt, so ist doch dieses moderne Werkzeug nochnicht so stark vertreten, um hier von einer allgemeinen Veränderung der Werkstatt-Technik sprechen zukönnen.Früher mußten die Lagerfutter entweder angefertigt werden, oder es wurden die halbfertigen"Bouchons" eingesetzt, oft sogar mit Gewinde eingeschraubt! Früher galt diese Arbeit sogar nur dann als"klassisch ausgeführt", wenn das Futter in der Ölsenkung vorstand als Zeichen, daß das Lager wirklich"gefüttert" war.Heute haben wir die fertigen Einpreßfutter in den nötigen Größen, die bequem und schnell eingesetztwerden können.Früher wurde kunstvoll der Lagerstein gefaßt, und der Ersatz eines Fassungssteines war eine sehrrisikoreiche Arbeit; denn wenn der Kragen einbrach, mußte eine neue Fassung eingesetzt werden.Heute hat der Einpreßstein wohl die gründlichste Revolution sowohl in der Industrie als auch in derUhrmacherwerkstatt vollführt und der Ersatz eines Einpreßsteines ist eine Sache von wenigen Minuten -im Gegensatz zu der stundenlangen Operation früherer Zeit. Hinzu kommt noch der große Vorteil derbequemen Regulierung des axialen Spiels - beim Uhrmacher "Höhenluft" genannt - durch einfachesVerschieben eines entsprechenden Steines. Wie schnell und sauber ist jetzt ein derartiger Fehler behoben,während es früher oft nur durch Methoden möglich war, die auch Wilhelm Schultz nicht gern beschrieb.Früher waren Zugfedern immer länger als nötig, und sie mußten erst gekürzt und mit einem Zaumversehen werden.Heute sind die Zugfedern fertig passend zum Durchmesser mit Zaum versehen, bequem soaufgewunden, daß sie ohne Federwinder in die Trommel hineinspringen - welch Zeitgewinn!Früher mußten Ersatzteile fast immer angefertigt werden - es waren Unruhwellen, Aufzugwellen undSchrauben herzustellen und Triebe einzudrehen.Heute greift der Uhrmacher entweder in seine eigenen Furniturenkästen oder er bestellt dieschadhaften Teile bei seiner Furniturenhandlung. Die Eigenanfertigung steht selbst bei schnellerArbeitsweise nicht im Einklang zu der Fabrik-Qualität oder zu der aufzuwendenden Zeit.Früher reinigte der Uhrmacher in Seifenlauge oder später in Benzin. Beide Verfahren erforderten,daß jedes Uhrteil einzeln saubergeputzt wurde mit Putzholz, Holundermark und Bürste. Die jungeGeneration weiß gar nicht mehr, wieviel Zeit und noch mehr welche Konzentration bei dieser Arbeitnötig war, um den Erfolg zu garantieren!Heute legt der Uhrmacher alle Teile in den Korb seiner Reinigungsmaschine, möglichst derautomatischen, die ihn von aller weiteren Einzelarbeit und auch - fast - von der Verantwortung befreit,daß nun wirklich alles sauber ist, und die obendrein besser reinigt, als es früher mit der umständlichenBenzinreinigung möglich war. Früher sowohl als auch heute ist das Zusammensetzen der Uhr dieureigene Arbeit des Uhrmachers, von der ihn natürlich keine Maschine befreien kann.Früher war das Ölen allerdings scheinbar einfacher als heute, wo die in der Mengenfertigungverwendeten Metalle durch unangenehme Zusätze die Anwendung von Spezialölen erfordern.Heute ist hingegen die Technik des Ölens durch die Automatik-Öler wesentlich bequemer geworden,und ferner ist durch die besseren Reinigungsmethoden die Haltbarkeit des Öles gesteigert worden. Früherwar das Regulieren der Uhren eine sehr zeitraubende Angelegenheit, die selbst für den "bürgerlichenGebrauch" 8 -10 Tage in Anspruch nahm. Die Feinstellung einer Präzisionsuhr jedoch dauerte Monate,da jeder Tag nur eine Ablesung gestattete. Wenn auch der Uhrmacher, der sich mit dem "Abhorchen"vertraut gemacht hatte, durchaus in der Lage war, am gleichen Tage eine Uhr ausreichend "genau"gehend abzugeben, denn er besaß ja in dieser Technik einen Vorläufer der ersten Zeitwaagen, die oftgleichfalls auf dem Prinzip der Koinzidenz - des Zusammenfallens zweier Schläge - beruhten.Heute hat das Uhrenprüfgerät (die "Zeitwaage") in einem Maße die Genauigkeit erhöht, die frühernur einem winzigen Teil aller Uhren zu erreichen möglich war. Während das Regulieren in zwei Lagen -allgemein "Blatt oben" und "Krone oben" (bei Taschenuhren) und "Krone unten" (bei Armbanduhren) -schon lange Zeit in Anspruch nahm, ist es mit dem elektronischen Prüfgerät möglich, sogar für alle 6Positionen in wenigen Minuten zu erfahren, wie die Uhr geht. Und da dann der Gesamtüberblick noch2
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frisch ist, läßt sich auch die Ausregulierung einer solchen Uhr in allen senkrechten Lagen leichter undschneller mittels Auswuchten der Unruh vornehmen.Früher war die Feinstellung einer Uhr mit Bimetall-Unruh durch das mühsame Einstellen desKorrekturverhältnisses eine unendlich mühsame Sache, die nur wenige Spezialisten durchführen konnten.Heute hat die selbstkompensierende Spiralfeder diese Technik völlig überflüssig gemacht, da eineKorrektur dem Uhrmacher-Regleur gar nicht möglich ist. Er vermag lediglich zu kontrollieren, undgegebenenfalls muß er eine neue, andere Spiralfeder aufsetzen.Früher hatten wir Mühe, mit der Unruh die nötige Schwingungsweite zu erreichen. Oft mußten dieAnforderungen zurückgesteckt werden. Die Reglage-Ergebnisse waren bei weitern nicht mit den Uhrenvon heute gleicher Preisstufe zu vergleichen.Heute geht die moderne Anker-Armbanduhr weit genauer als früher die Taschenuhr. Hinzu kommtjedoch als besonders ausschlaggebender Faktor, daß diese Genauigkeit müheloser erreicht werden kannals früher. Ist es doch sogar oft so, daß eine gut konstruierte Armbanduhr "von selbst reguliert" - d. h.,daß bei richtiger Rückerstellung die Uhr in allen Lagen ausreichend gleichmäßig genau geht. Dieeinzigen Voraussetzungen sind ganz elementarer Art: richtige Schwingungsweite - ausgewuchtete Unruh- enger Spiralschlüssel.Früher waren wir mit der Minute zufrieden; beute ist die Sekunde im "bürgerlichen Leben" zwarnoch nicht entscheidend geworden, jedoch sind die Ansprüche unserer Kunden gewachsen.Entsprechend der Steigerung der Anforderungen auf allen Gebieten erwächst auch für unsgrundsätzlich die Aufgabe, hier Schritt zu halten. Der Uhrmacher, der aus einer Uhr nicht das Höchstmaßan Genauigkeit herausholt, kann sich zwar noch auf längere Zeit das Leben recht bequem machen; ob erjedoch seinen Wettbewerbern außerhalb des Handwerks dann auf die Dauer den Rang ablaufen kann, istfraglich. Im Gegenteil wird dies dann leichter möglich sein, wenn er durch seine fachliche Tüchtigkeiteiner Uhr gleicher Preislage eine höhere Genauigkeit verleiht. Und wie leicht dies meist ist, erfahren wiroft genug im täglichen Leben.Schließlich ist die Arbeit des Uhrmachers im Laufe der Zeit grundsätzlich erfolgreicher geworden. Erwird für seine Anstrengung dadurch mehr als früher belohnt, daß ihm die bessere Leistung der Uhr einegrößere Befriedigung gewährt und in ihm das Gefühl aufkommen läßt, daß die Uhrmacherei doch einschönes Handwerk ist!______

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